Die Blume des Jahres 1983, die Wild- oder Waldtulpe, ist schon so lange bei uns heimisch, dass niemand mehr weiß, wie sie zu uns gelangt ist. Sie gilt als wärmeliebend und kommt in Weinbergen und Äckern vor, aber auch an Deichen und Böschungen. Sie ist Deutschlands einzige wild vorkommende Tulpenart.
Die Tulipa sylvestris L., die Wild-Tulpe, auch als Wald-Tulpe oder Weinberg-Tulpe bezeichnet, ist eine der wenigen Tulpen, deren Blüten einen wohlriechenden Duft haben. Früher entdeckte man sie relativ häufig auf naturbelassenen Waldwiesen und vor allem auch in Weinbergen, die - nicht wie heute - einer intensiven Bodenbearbeitung unterworfen wurden.
Die Wild-Tulpe wächst in Mittel- und Südeuropa nur noch an wenigen Stellen. Diese Blume bevorzugt basenreiche Lehm- oder Kalksteinböden, Gebüsche, Baumgärten oder die bereits erwähnten niedrig-bleibenden Waldwiesen und mildbehandelte Weinberge als Lebensraum. Daran jedoch vor allem mangelt es in der zersiedelten Kulturlandschaft. Ihr Lebensraum verringert sich stetig.
Die Wild-Tulpe‚ meist einzelstehend, gehört zur Familie der Liliaceen, ist - wie die Gelbe Narzisse - ebenfalls ein Zwiebelgewächs und blüht in den Monaten April und Mai. Die Blüte ist gelb, äußerlich auch grünlich, die Blütenblätter spitz auslaufend, der Kelch offen. Er sitzt oben auf dem Stängel, der am Fuß breite linear-lanzettlich gestaltete Blätter trägt. Sie wird, je nach Standort, 20 bis 40 cm hoch. Die vielen Tulpenzüchtungen, die im Frühjahr in großer Fülle und Verschiedenartigkeit die Gärten, aber auch die Blumenläden schmücken, ließen den Rückgang der Wild-Tulpe fast unbemerkt. Dabei ist sie ähnlich wie die Gelbe Narzisse eine der bemerkens- und liebenswertesten Frühlingsblumen, deren Verschwinden diese vielbesungene Jahreszeit farblich düsterer und in ihrer Vielfalt ärmer werden lässt. Ein Warnzeichen von vielen, das zur Besinnung mahnen sollte.
Wie oben schon erwähnt ist es immer noch ein Rätsel, wie die Blume nach Deutschland kam. Es wird gesagt, dass die Römer sie hierherbrachten oder sie ursprünglich aus Alexandria in Ägypten kam, aber für all das gibt es keine handfesten Beweise. Aber als sie dann in Deutschland angepflanzt wurde, verbreitete sie sich schnell und konnte auch ohne menschlichen Einfluss überleben.
Am besten gedeiht sie an einem sonnigen Platz mit lockerem Boden, zum Beispiel in einem Steingarten. Wie bei normalen Tulpen pflanzt man eine Blumenzwiebel und sollte sie zu Beginn an noch regelmäßig gießen. Dann nach etwa 20 bis 25 Tagen fängt man an mit der typischen Trockenperiode, sodass die Blumen sich daran gewöhnen mit weniger Wasser auszukommen. Aber anders als bei normalen Tulpen kann man die Zwiebeln über den Herbst im Boden lassen. Über Zeit kann sie sich dann – wie in der freien Natur – selbst vermehren auch im eigenen Garten.