Die äußere Erscheinung verlockt vielleicht zum Abpflücken; so wurde es stets immer und zu allen Zeiten stark in Gefahr gebracht. Die Blume war ohnehin sehr selten; frühere populäre Beschreibungen führen sie nicht einmal auf.
Das Rote Waldvöglein (Cephalanthera rubra), auch Purpur-Waldvöglein oder Rote Waldlilie genannt, war bereits im Jahr 1817 bekannt. Der reizvolle Name Waldvögelein kommt sicherlich von den beiden größeren abstehenden Blütenblättern, die wie Flügel ausgebreitet sind. Der lateinische Name wurde von dem französischen Botaniker Professor Louis Claude Marie Richard aus den griechischen Worten cephalae, was Kopf bedeutet, antheros, was blühend bedeutet und dem lateinischen Wort ruber, was rot bedeutet, zusammengesetzt.
Die Blüten an der wenig-blütigen Ähre haben keinen Sporn. Das sicherste Erkennungszeichen, die Blütenlippe, ist spitz - im Gegensatz etwa zum Frauenschuh, zur Großen Händelwurz, zur Spinnen- oder Bienen-Ragwurz. Der gedrehte Fruchtknoten dient dem roten Waldvögelein gleichzeitig als Blütenstil. Die Blütenblätter sind 15 bis 20 mm lang und hellrosa mit roten Markierungen. Die Pflanze blüht im Juni oder Juli, je nach Höhenlage. Wie leuchtend die Blüten sind hängt vom Kalkgehalt des Bodens ab, denn je kalkreicher desto intensiver ist die Färbung. Die zwei bis acht gerippte Blätter haben Lanzettenform und treten am Stängel nur vereinzelnd auf. Großteils des Stängels ist jedoch kahl oder mit kleinen Härchen bedeckt.
Die Gattung Cephalanthera kommt mit 14 Arten, als sogenannte Erdorchidee, vorwiegend im wärmeren Eurasien und in Nordamerika vor. In Mitteleuropa gibt es drei Arten: neben dem Roten noch das Weiße und das Schwertblätterige Waldvögelein.
Das Rote Waldvögelein liebt, wie seine Verwandten, die Wärme und gedeiht am besten geschützt in den ebenfalls wärmeliebenden Buchen- und Eichenwäldern. Sie lebt auch in lichten Nadelwäldern, vor allem Nadel- Mischwälder und nicht in Monokulturen. Dabei bevorzugt sie kalkreiche, also nicht saure, Böden. Diese biotopischen Voraussetzungen erklären seine Seltenheit und zeigen auch den Grad der Bedrohung auf, dem die Orchidee heute ausgesetzt bleibt. Sie wird auf dem Stängel bis zu einem halben Meter hoch, so dass die Blüten stets die krautige Unterflora der Wälder überragt und auf solche Weise relativ genügend Licht erhält.
Obwohl die Blume des Jahres erst seit 1980 gewählt wird, gab es bereits in der DDR eine Briefmarkenserie namens „Geschützte heimische Pflanzen“. Diese gab es nur in den Jahren 1966, 1969 und 1970 und umfasste nur 15 Pflanzen. Eine der ersten Briefmarken in dieser Serie hatte das Rote Waldvögelein als Motiv.
Sie wurde nicht nur 1982 zur Blume des Jahres gewählt, sondern auch im Jahr 2000 zur „Orchidee des Jahres“ von dem Arbeitskreis Heimischer Orchideen (AHO) in Deutschland.