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Bedrohte Schönheit - Die Blume des Jahres blüht

© Julian Denstorf

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Die Bestände der Wildpflanze mit den dunkelroten, knopfigen Blütenständen sind rückläufig. Ihr Lebensraum, die schonend genutzten Feuchtwiesen, in denen viele seltene Arten leben, schrumpft. Gerade jetzt zur Blütezeit ist der Große Wiesenknopf jedoch unentbehrlich für die Fortpflanzung zweier Schmetterlingsarten. Verschwindet der Große Wiesenknopf, werden auch diese Schmetterlinge verschwinden. Die Loki Schmidt Stiftung setzt sich für das Überleben dieser bedrohten Arten ein und hat den Großen Wiesenknopf zur Blume des Jahres 2021 ernannt.

Noch bis Mitte September erstreckt sich die Blütezeit des Großen Wiesenknopfes (Sanguisorba officinalis). Doch die leuchtendroten Blüten, die auf feuchten Wiesen in ca. einem Meter Höhe normalerweise nicht zu übersehen sind, sind immer seltener zu entdecken. Die Bestände der Wildpflanze gehen besorgniserregend zurück. In Deutschland steht der Große Wiesenknopf bereits auf der Vorwarnliste der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen. Damit ist auch das Überleben des Hellen und des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings gefährdet, denn diese beiden Schmetterlingsarten sind vom Vorkommen des Großen Wiesenknopfes abhängig.

Der Große Wiesenknopf ist überlebensnotwendig für hochspezialisierte Schmetterlingsarten.

Beim Nektar können der Helle und der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling während der Flugzeit im Juli und August noch auf andere Blütenpflanzen ausweichen, doch die Fortpflanzung der adulten Falter findet ausschließlich auf den Blüten des Großen Wiesenknopfes statt. Nach der Paarung werden die Eier in die rotbraunen Blütenköpfchen gelegt. Die rosafarbenen Raupen fressen sich nach dem Schlupf ein- bis zweieinhalb Wochen durch die Blüte, bevor sie sich auf den Boden begeben. Hier kommt die zweite Wirtsart, die Ameise, ins Spiel. Der Große Wiesenknopf spielt im Leben der eher kleinen Schmetterlinge auch außerhalb der Paarung und der Nahrungsaufnahme eine Rolle. So werden die Blüten der Wirtspflanze darüber hinaus als Ruhe- und Schlafplatz genutzt. Ohne den Großen Wiesenknopf können die Bläulingsarten nicht überleben. Bundesweit gibt es Artenschutzprojekte für den Hellen und Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling, bei denen gleichzeitig auch immer der Große Wiesenknopf gefördert wird.

Nicht nur der Große Wiesenknopf, ein artenreicher Lebensraum ist bedroht.

Der Große Wiesenknopf steht bereits auf der Vorwarnliste der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen. Auch wenn die Wildpflanze in Mittel- und Süddeutschland gebietsweise zwar noch häufig zu finden ist, sind vor allem in Norddeutschland besorgniserregende Rückgänge der Vorkommen zu beobachten. Dort ist er nur noch an wenigen Standorten, wie zum Beispiel im Auengrünland entlang der Mittelelbe oder an der Weser, zu finden. In Hamburg ist die Pflanze vom Aussterben bedroht. Ihr Lebensraum, die schonend (extensiv) genutzten Feuchtwiesen, schrumpft in den letzten Jahrzehnten immer weiter, dabei ist er besonders schützenswert. Er gehört zu den artenreichsten Lebensräumen unserer Kulturlandschaft und bietet Tieren wie Kiebitz, Moorfrosch und Aurorafalter ein Zuhause.

Feuchtwiesen sind aufwändig zu bewirtschaften, sodass diese oftmals entwässert werden oder zu Äckern umgewandelt werden. Teilweise wird auch die Bewirtschaftung ganz aufgegeben, sodass die Feuchtwiesen verbuschen. Auch eine intensive landwirtschaftliche Nutzung mit hoher Viehdichte, häufiger Mahd, Unkrautbekämpfungsmitteln und starker Düngung verdrängt den Großen Wiesenknopf. Gemeinsam mit ihren Spender*innen setzt sich die Loki Schmidt Stiftung für den Erhalt dieses bedrohten Lebensraumes ein und will ihn als Stiftungsland dauerhaft sichern, um bedrohten Tieren und Pflanzen eine Zukunft zu geben.

Erscheinungsbild, Merkmale und Besonderheiten des Großen Wiesenknopfes

Der Große Wiesenknopf gehört zu den Rosengewächsen und ist nicht zu übersehen mit seinen dunkelroten Blütenköpfen, die sich zwischen Mitte Juni und Mitte September ausbilden. Pro Blütenstand wachsen 20 bis 40 Einzelblüten, die zwittrig sind und stets von der Spitze zur Basis hin aufblühen. Die ausdauernde, krautige Pflanze erreicht eine stattliche Wuchshöhe von 50 bis 120 cm. Wie hoch ein einzelnes Individuum wachsen kann, ist sehr stark von den Standortverhältnissen wie der Nährstoffverfügbarkeit im Boden abhängig.

Seine Stängel sind rund oder manchmal auch gerillt. Die gefiederten, spitz gesägten Laubblätter, bestehend aus drei bis sechs Fiederpaaren und sieben bis dreizehn Blättchen, sind wechselständig am Stängel angeordnet und haben, wie es für Rosengewächse typisch ist, jeweils Nebenblätter, sogenannte Stipeln, die den Laubblättern sehr ähneln. Die Blättchen sind an der Oberseite sattgrün, an der Unterseite blaugrün bis gräulich.

Die Bestäubung erfolgt durch verschiedene Insekten wie Fliegen- und Bienenarten, auch eine Selbstbestäubung ist möglich. Nach der Blüte bilden sich im Herbst kleine hell- bis dunkelbraune Nussfrüchte aus, die dann durch Wind, Wasser oder Wildtiere ausgebreitet werden. Der Große Wiesenknopf kann sich aber auch vegetativ, also ohne Samen vermehren. Dafür bildet er unterirdische Wurzelausläufer (sogenannte Rhizome) aus. Die Rhizome dienen zusätzlich noch als Speicher- und Überdauerungsorgan im Winter.

Der Große Wiesenknopf ist ein altes Heilkraut mit blutstillender und entzündungshemmender Wirkung. Einen Hinweis darauf gibt übrigens auch schon sein botanischer Name „Sanguisorba“, der sich aus sanguis für „Blut“ und sorbere für „einsaugen“ zusammensetzt.

Im Sommer bietet die Loki Schmidt Stiftung mit Kooperationspartnern zahlreiche Führungen und Tagungen zur Blume des Jahres 2021 in Hamburg und Umgebung an. Alle Termine dazu sind auf der Website (www.loki-schmidt-stiftung.de) und im Veranstaltungskalender zu finden. Die Stiftung freut sich über eine rege Teilnahme. Über die Website (www.loki-schmidt-stiftung.de/bestellungen) kann gegen eine Spende von 4 € eine ausführliche Broschüre zum Großen Wiesenknopf bestellt werden.

Die Loki Schmidt Stiftung:

Die Loki Schmidt Stiftung kauft, gestaltet und pflegt seit 40 Jahren Grundstücke für den Naturschutz, damit selten gewordene Pflanzen und auch Tiere dort überleben können. Viele praktische Projekte zum Schutz der Natur in Hamburg und ganz Deutschland haben die Stiftung bekannt gemacht. Mit der Aktion „Blume des Jahres“ rückt die Loki Schmidt Stiftung seit 1980 in jedem Jahr einen selten gewordenen Lebensraum in den Fokus und gibt der Natur damit eine Stimme. Die Arbeit der Stiftung wird zu großen Teilen durch Spenden finanziert (Spendenkonto: IBAN: DE37 2005 0550 1280 2292 28).

Kontakt für Rückfragen

Svenja Holst und Dr. Kristin Ludewig, Loki Schmidt Stiftung Naturschutz Hamburg, Steintorweg 8, 20099 Hamburg, blume@loki-schmidt-stiftung.de, Tel. 040 / 2840998-31